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Was ist das mit der Kunst?

August 4, 2009 by Alex Macartney   Comments (1)

Viele Leute schätzen die alte Malerei von vergangenen Jahrhunderten, und viele können mit der modernen Kunst (Videoinstallationen zum Beispiel) herzlich wenig anfangen. Ich bin auch so. Ich liiiiebe alte Malerei!

Nun, für mich ist klar, was Kunst vor zweihundert Jahren bedeutete: Wandschmuck für die häuslichen Räume.

Es kam nicht selten vor, dass Begüterte, welche sich ein Bild kauften, den Ausschnitt des Bildes neu wählten und den Rest schlicht und ergreifend einfach abschnitten, weil dieser ihnen nicht passte, oder weil das Bild nicht an die Wand passte.

So kannte man auch keinerlei Hemmungen ein Bild wie die Mona Lisa im Badezimmer aufzuhängen.
Ja, Wandschmuck eben.

Und heute?
Was wird da für ein Riesenbrimborium um Künstler wie beispielsweise Thomas Hirschhorn, Nam June Paik oder John Armleder gemacht? Ich finds einfach nur hässlich, was diese da fabrizieren.

Aber klar: ich bin ja auch bloss Illustrator. Für Lehrmittel, Zeitungscomics und Newsletter-Bebilderungen. Da muss ich ja wohl neidisch sein auf die grossen und richtigen Künstler, nicht?

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wo die Illustration aufhört und wo die Kunst anfängt.

Und eigentlich ist mir das auch ziemlich schnuppe. Diese ewigen Definitionsansprüche der Kunst sind einfach nur lächerlich. So haben früher viele Künstler auch für die Werbung Plakate gestaltet, oder Briefmarken, oder Zirkusplakate...
Na und? Wertet dieser Umstand ihre Werke ab? Keineswegs.

Ich möchte wieder Bilder schaffen, die Wandschmuck sind, die man ewig und einen Tag anschauen kann, wo der Betrachtende sich betrinken kann an Farben und Formen, die das Auge erfreuen und den Geist erfrischen.

Schön gesagt, lieber Alex, auch ich kann nur staunen, wenn jemand beim Betrachten einer einheitlich rot bepinselten Leinwand in Verzückung gerät... die sehen etwas, was ich nicht sehe...

Ich bin von Haus aus auch eine Verfechterin der Idee, dass Zeichner und Maler zuerst mal anatomisch, perspektivisch korrekt zeichnen können und eine Ahnung von Farbmischungen und Farbenlehre haben sollten, bevor sie ihren Stil verfeinern, Bilder abstrahieren oder manieristisch werden... mittlerweile kann ich aber auch mit der Realität leben, dass nun mal viele KünstlerInnen das ABC der Malerei nicht mehr beherrschen und trotzdem coole Bilder produzieren - auch Computer sei Dank.

Ich habe inzwischen Wege gefunden, mich mit der "modernen" Kunst so auseinander zu setzen, dass ich mit ihr ebenfalls in einen Dialog treten kann. Neugier und Respekt vor der Arbeit anderer haben mich das gelehrt. Allerdings gibt es weiterhin Bilder, Installationen usw. die bei mir keine Resonanz auslösen können, durchaus auch klassiche Bilder, nicht nur "moderne". Das hat aber meist mit mir zu tun, denn Kunst entsteht nun Mal in mir drin - beim Mich-Einlassen auf das Werk. Oder ich fühle mich von einem Künstler veräppelt - also nicht ernst genommen - dann kriegt sein Werk von mir auch nur ein müdes Lächeln... :-)

Auch ich kann bei der Debatte über Handwerk - Hohe Kunst - Kitsch nicht wirklich mitreden, denn erstens ist die Differenzierung sehr schwierig und komplex, zweitens: was bringt's? Wenn's gefällt, dann gefällt es eben! Und drittens: auch Künstler müssen leben.... ;-)

Ich finde Deinen Anspruch an Deine Werke sehr ansprechend und bin sehr neugierig darauf, was Du schaffen wirst! Bon courage!

herzlich,
Tatjana

Tatjana G. Càrpino 10.08.2009